Coach across the Globe

Heide Liebmann

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Waitangi: Geburtsort der nationalen Identität Neuseelands

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Die beiden letzten Tage waren wettermäßig ziemlich unbeständig, und was macht die Reisende zu solchen Zeiten? Richtig, sie bildet sich kulturell weiter.

Vorgestern habe ich daher Waitangi besucht, oder genauer: den Waitangi Treaty Ground. Hier wurde am 5. Februar 1840 der Vertrag zwischen Großbritannien und den United Tribes of New Zealand bzw. einer Versammlung von 400 Vertretern der nördlichen Stämme unterzeichnet, das Gründungsdokument des modernen Neuseelands.

Der Vertrag wurde auf Englisch und auf Maori ausgefertigt, aber offenbar gibt es diverse Unterschiede zwischen den beiden Fassungen, so dass der Kampf der Maori um Anerkennung ihrer Rechte noch immer nicht völlig ausgestanden ist.

Das Gelände ist recht weitläufig und wird inzwischen wunderbar gepflegt. Das war wohl nicht immer so.

Ich nahm an einer geführten Tour teil und ließ mir die historischen Details erklären. Außerdem bewunderte ich das größte Kriegskanu der Welt, Ngā Toki Matawhaorua, das von bis zu 125 Ruderern bewegt und jedes Jahr zum Waitangi Day zu Wasser gelassen wird. Es wurde 1940 gebaut, zum 100-jährigen Jahrestag der Vertragsunterzeichnung.

Im Treaty House konnte ich mir anschauen, wie der damalige Gouverneur James Busby mit seiner vielköpfigen Familie lebte. Das Anwesen verfiel nach seinem Tod, als auch seine Frau und seine Kinder wegzogen. Es ist tatsächlich einem adligen englischen Paar zu verdanken, dass es heute wieder in seinem Glanz erstrahlt, weil sie die historischen Bedeutung der Anlage erkannten und bewahren wollten.

Gegenüber wurde 1940 ein Maori-Versammlungshaus errichtet. Hier fand dann auch eine „Cultural Performance“ statt, die mich wider Erwarten beeindruckt hat. Alles begann mit einer Maori-Willkommenszeremonie, für die wir Besucher*innen uns einen „Chief“ wählen mussten. Dann folgten Maori-Tanz- und -Gesangsdarbietungen, verbunden durch kurze Informationen zur Kultur der Maori. Zum Schluss dann noch ein kurzer Haka, der Kriegstanz, der durch die All Blacks, die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft, international berühmt wurde.

Zu guter Letzt besuchte ich dann noch das moderne Museumsgebäude, das vom ersten Maori-Absolventen eines Architekturstudiums entworfen wurde und wunderschön ist. Auch didaktisch konnte mich die Ausstellung überzeugen, weil beide Seiten, Maori und Briten, zu ihrem Recht kommen.

Und weil ich ja im Urlaub bin und ein gewisses Maß an Dekadenz da auch dazugehört, habe ich dann abends noch ein traditionelles Hangi-Essen gebucht, mit Fleisch und Gemüse aus dem Erdofen – der heutzutage allerdings ein bisschen moderner gestaltet ist und eine Stahlplatte zum Deckel hat ;-). Davor gab es noch eine sehr stimmungsvolle Begegnung mit drei Maori-Chiefs im Urwald und anschließend nochmals eine Vorführung, die noch etwas länger dauerte als die nachmittäglichen 25 Minuten. Das war wieder sehr dicht, und ich habe zwischendurch fast vergessen, ein paar Fotos zu machen, weil ich so gebannt zugeschaut habe. Videos zu machen, war leider verboten.

Ich hoffe, die Bilder geben euch ein paar Eindrücke. Es war jedenfalls nicht die schlechteste Entscheidung, den Tag auf diese Weise zu verbringen!

 

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